3. Juni 2013

Hampton Court und eine königliche Begegnung

Hampton Court ist an sich schon eine Reise wert und deswegen widme ich ihm auch einen eigenen Post:




Das absolut sehenswerte Schloss von Heinrich VIII, der mit den sechs Frauen (geschieden, geköpft, gestorben, geschieden, geköpft, überlebt), ist groß!Wir hatten 4 Stunden einkalkuliert und haben die Gemächer Willem von Oraniens und die ausgedehnten Gärten nicht mehr geschafft, da wir unseren Tunnel-Zzug in Folkestone für die Rückfahrt erwischen mussten.
Glücklicherweise sind wir im Juli noch einmal eine Woche in Richmond und können den Besuch fortsetzen.
Hampton Court wurde von Heinrich VIII vom Lordkanzler Thomas Wolsey 1528 annektiert, da dieser beim Papst nicht die Scheidung von seiner ersten Frau bewirken konnte. Kurzerhand wurde der in Ungnade gefallene vor die Tür gesetzt (sowohl vor die Tür von Hampton Court als auch vor die andere: Whitehall Palace) und er hat Glück gehabt, das er von seiner ursprünglichen Größe nicht das obere Stück eingebüßt hat.
In seinem Sinne ausgebaut und immer wieder umgebaut, gab es seinen Frauen -  nacheinander - ein Heim und war auch seine persönliche Lieblingsresidenz.

Es galt seinerzeit als modernstes Renaissance Schloss Europas.



Die Decke der Great Hall





Wilhelm III von Oranien und seine Frau Mary II  wollten nach ihrer Thronbesteigung (1689) ursprünglich das gesamte Ensemble niederreißen, mussten aber aus finanziellen und zeitlichen Gründen darauf verzichten.
Lediglich die Ost- und Südfassaden erhielten einen barocken Anstrich um den geänderten ästhetischen  Ansprüchen der Zeit zu genügen.




So ist eine Zweiteilung entstanden, die sich erst auf den zweiten Blick erkennen lässt, denn der Blick von der  Auffahrt zum Schloß ist, wie man auf dem Foto ganz oben sieht, eindeutig Tudor, kommt man allerdings von der Themse, oder vom Garten her darauf zu, sieht man das Werk von Christopher Wren.

Bei unserem Besuch näherten wir uns von der Seite des Gartens in dem sich das Labyrinth befindet, und betraten die Anlage auch von der Gartenseite her. Da wir erst unseren Hunger stillen mussten, sind wir in der Schlossschenke eingekehrt um dann gestärkt zu starten. Wir hatten leider keine Karte und keinen Plan von den Sehenswürdigkeiten, so, ließen wir uns treiben und untersuchten die Räume, Hallen, Höfe und Gänge nach Instinkt und Zufall.
Ich habe mich fürchterlich erschreckt, als plötzlich Heinrich VIII selbst hinter mir stand und mich höflich fragte ob ich einen seiner Höflinge gesehen hätte. Ich verneinte stammelnd und er rauschte davon. Unsere Mädels mit Fotoapparaten bewaffnet hinterher und auch wir beiden Alten wollten sehen was passieren würde.
Kurze Zeit später entbrannte eine hitzige Diskussion zwischen dem König einer Hofdame und einem Höfling und sie zogen in die Gemächer ab.




Dort wurden wir dann Zeugen einer Unterhaltung zwischen Ebendiesen, über des Königs Skrupel, wegen seiner noch gültigen Vermählung mit Anna von Kleve (die er als häßliche deutsche Kuh bezeichnet haben soll) mit seiner neuen Favoritin Catherine Howard anzubändeln. Ihr Schicksal als Nummer fünf ist durch den Abzählvers bekannt....).
Danach gingen alle Akteure ab, um später irgendwann unvermittelt wieder aufzutauchen.

Großartig!

In den Gemächern Mary II befindet sich momentan die Ausstellung "The secrets of the royal bedchamber", die sich mit allem befasst, was mit dem königlichen Schlafgemach eines absolutistischen  Herrschers zu tun hat.
Die politische Bedeutung des königlichen "Lever" am Morgen und die damit verbundenen Ränken und Intrigen unter den Höflingen und Hofdamen, in der königlichen Schlafkammer zugelassen zu sein, wird sehr anschaulich dargestellt. Wer diese Auszeichnung erhielt, war am Hof ganz oben angekommen.
 Ebenso sind alle Utensilien zu sehen, die zum Lever nötig waren, (ja, auch der mit rotem Samt bezogene Stille Ort) sowie eine Sammlung von königlichen Betten, eingebettet in die Geschichten, die sich um deren einstige Benutzer ranken. 

Übrigens kann man die Aufsichtspersonen über alles befragen, sie wissen Bescheid!!

Dieses Schlossmuseum unterscheidet sich deutlich von dem, was man schon tausendmal gesehen hat: Eine enorme Zimmerflucht mit mit Herstellungsjahr, -ort und -werkstatt versehenem Mobiliar, Portraits und von Puschen blankgeschlufftem Parkett, ohne viel Aussagegehalt und absolut ungeeignet die Zeit der Könige und Königinnen für den Besucher lebendig werden zu lassen.

Das ist aber das, was ein gutes Museum ausmacht: Dem flüchtigen Besucher muss es einen guten Überblick verschaffen und neugierig machen und dem Interessierten neue Einblicke geben, andere Blickwinkel aufzeigen und den Horizont erweitern!

Die Konservatoren, Kuratoren und Gestalter haben  ganze Arbeit geleistet!

Informationen:hier


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