5. Februar 2015

Herzensdinge.... Aktion bei Lotta liebt Blau



Dinge die uns ans Herz gewachsen sind sollen wir zeigen - und derer drei!
Da muss ich nicht lange überlegen!

Es sind drei Dinge, die für mich von unschätzbarem Wert sind, die mir jedesmal wenn ich sie sehe, trage oder lese, das Herz zum überlaufen bringen. Ich denke an die Personen, die mir dieses Herzensding geschenkt haben. Zwei davon sind leider schon verstorben, aber dadurch, dass ich diese Herzensdinge oft trage und fast täglich sehe, bleiben sie in meinem Herzen!

Ich zeige sie euch in der Reihenfolge, in der ich sie erhalten habe:




Mit 14 habe ich mir meine Ohrlöcher stechen lassen. Nachdem ich die antiseptischen des Juweliers sechs Wochen getragen hatte, überraschte mich meine Großmutter mit diesen kleinen Rubinen.
Wenn ihr zu sehen glaubt, dass die beiden Stecker unterschiedlich sind, habt ihr recht. Einer der Beiden ist mir verloren gegangen und deshalb habe ich ihn beim selben Juwelier nachmachen lassen. Ich trage sie ständig, da sie zu fast allem passen und unauffällig sind.
Meine Oma war ein großartige Frau! Sie wurde 94 Jahre alt und war fast bis zum Schluss gut drauf! Tirolerin von Geburt, Gemüt und Dialekt, hat sie mich oft zum Lachen gebracht. Sie liebte ihren Garten und konnte wunderbar kochen - auch richtigen Apfelstrudel! Ich durfte immer in ihrer Küche sitzen und ihr beim Ziehen des Strudelteigs zuschauen. Dünn wie Papier war er am Ende der Prozedur. Es war der leckerste Apfelstrudel ,den ich je gegessen habe.
Oma war furchtbar klein - 1,55 m, oder so. Eigentlich viel zu klein zum Autofahren! Sie konnte kaum übers Lenkrad schauen, nutzte zum Fahren ein dickes "Polschterl", denn ihr Käfer von 1966 hatte noch keine Sitzhöhenverstellung. In brenzligen Situationen zog sie sich kurz am Lenkrad hoch, um sich eine Übersicht zu verschaffen und ließ sich nach Erfassen derselben wieder fallen - und kam ohne Unfall davon! Der Dorfpolizist am Achensee sagte immer: "Do kimp da Käfa mit neamd drein, des is die Frau Zikesch!" (Übersetzt: Da kommt der Käfer mit niemand drin, das ist die Frau Zikesch). Ihr Lieblingsspruch hingegen war:"Der hot a a Brems'n!" (übersetzt: Der hat auch eine Bremse!)
Sie hat leider die Geburt ihres ersten Urenkels knapp verfehlt, hat aber noch glücklich zur Kenntnis genommen, dass ihr einziges "Enkerl" ihr "Hosenscheißer" ihr "Madl" schwanger war.


Mein Mann und ich haben uns am ersten Tag unseres Studiums in Konstanz am Bodensee kennengelernt. Die Sache hatte sich ziemlich schnell geklärt zwischen uns. Wir hatten einfach dieselbe Wellenlänge! Wir quatschten die Nächte durch, über die Bücher die wir liebten, die Filme die wir mochten, über unsere Kindheit unsere Erlebnisse während unser Schul- und Ausbildungszeit... uns ging nie das Thema aus.
Wir verbrachten jede freie Minute miteinander, zogen ziemlich schnell in eine gemeinsame Wohnung (30qm) und lebten dort bis zum Ende unseres Studiums bzw. unserer Hochzeit zusammen.
Wir lasen ungeheuer viel. Unsere Studien, Ökonomie und Verwaltungswissenschaften, waren recht trocken und so  schmökerten wir uns durch die Klassiker der Weltliteratur.
In diesem Buch hier, einen Band mit Erzählungen, stießen wir auf eine Textstelle, die exakt unsere Situation widerspiegelte, deshalb gehört sie zu meinen Herzensdingen!
Aber lest selbst:


Wenn es wahr ist, dass seltenes Beieinander und fortwährende Hindernisse die Leidenschaften steigern und der Lust den Reiz der Neugierde beigesellen, so darf man doch keineswegs die seltsame Anmut verkennen, die süßer noch und gefährlicher dem Zusammenleben mit der Geliebten eigen ist. Man sagt, die Gewohnheit führe zum Überdruß. Das ist möglich. Aber sie gibt auch Vertrauen, Selbstvergessenheit und ist, solange die Liebe währt, Schirm gegen alles Fürchten. Die Liebenden, die sich nur in langen Abständen sehen, wissen niemals sicher, ob sie sich wirklich verstehen. Sie bereiten sich darauf vor, glücklich zu sein. Sie wollen sich gegenseitig überzeugen, dass sie es sind, und suchen das, was unauffindbar ist, nämlich Worte für das, was sie fühlen. Jene, die zusammenleben, haben zu sprechen nicht nötig. Sie fühlen gleichzeitig, sie tauschen nur einen Blick, sie drücken sich die Hand, sie kennen eine köstliche  Freude, die süße Mattigkeit des nächsten Tages. Von den Ausbrüchen der Liebe ruhen sie sich aus in der Hingabe der Freundschaft. Zuweilen denke ich an diese zarte Bindung, wenn ich zwei Schwäne auf hellem Wasser hintreiben sehe.




Meine beste Freundin, Leser, die schon länger dabei sind kennen sie von hier, hat Vergolderin gelernt bei Conzen in Düsseldorf. Ihr Gesellenstück hat sie mir zum Geburtstag geschenkt. Ich finde es wunderschön und es passt jetzt noch viel besser als früher, da Brüssel ja bekanntlich die Stadt des Jugendstils ist.
Wir haben während unserer Ausbildung viel Zeit miteinander verbracht, nachdem die Sandkastenzeit nicht so harmonisch verlaufen war und sie, schulisch etwas unstet, auf verschiedenen Schulen und Internaten war, trafen wir uns am ersten Tag unserer Ausbildungen an der Straßenbahnhaltestelle. Da wir nichts besseres zu tun hatten, begannen wir eine scheue Unterhaltung, aus der die beste Freundschaft der Welt geworden ist!
Wir sind gemeinsam um die Häuser gezogen, gemeinsam weggefahren und haben viel Scheiß gemacht - aber das schweißt zusammen!
Nach unserer Ausbildung trennten sich unsere Wege geographisch, aber wir besuchten uns so oft es ging und begleiteten einander mit Rat und Tat durch Ehe, Schwangerschaften, Stillzeiten, Trotzalter, Kindergartenzeit und Schulzeit unserer Kinder. Meine Tochter ist ihr Patenkind und ihre meins. Die beiden verstehen sich auch untereinander sehr gut.
Leider ist Karoline am 15 Oktober 2013 nach 10-jähriger Brustkrebserkrankung gestorben. Aber sie ist immer bei mir, vor allem in den Augenblicken, in denen ich sie am meisten vermisse.

Danke liebe Lotta für den wunderbaren Anstoß, es hat richtig gut getan diesen Post zu schreiben!
Einen schönen Donnerstag noch und ich freue mich auf all die anderen Geschichten!

Gros bisou
Sandra














Kommentare:

  1. Liebe Sandra, du bist mir sehr sympathisch - wenn ich das mal so platt sagen darf. Und die Geschichten, um deine Herzensdinge haben mein Herz gewärmt. Ich freue mich, daß du jetzt viel häufiger schreibst. Liebe Grüße.

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    1. Das kann ich so wieder zurück geben, genauso platt. Mir geht es mit dir genauso!

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  2. Ach liebe Sandra, was für ein wunderbarer Post! Ich bin ganz ergriffen! Ich kann sooo gut nachempfinden, warum gerade diese Stücke deine Herzensdinge sind! Vor einem Jahr ist auch eine Freundin von mir an Krebs vestorben und sie hinterließ eine große Lücke...LG Lotta.

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    1. Das tut mir leid! Krebs ist irgendwie ein langer, langsamer Abschied, obwohl man die Hoffnung nie aufgibt, dass es doch noch mal wird!
      Ich freue mich, dass dir der Post gefällt, es hat wirklich gut getan ihn zu schreiben!

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  3. So berührende Herzensdinge hast du. Wahre Schätze voller Erinnerungen. LG mila

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  4. Liebe Sandra, dein Kommentar heute früh hat mich nun auch zu dir gelockt ( ich erinnere mich allerdings, dass ich schon mal bei dir gelesen habe) und ich habe mit Interesse diesen Post gelesen: da schreibt jemand, bei dem die Menschendinge tiefer gehen, als man es so leichthin in der Bloggerwelt findet. Das gefällt mir!
    Vor allem dein Musset- Text hat mir gefallen, denn er drückt aus, was ich nach 38 Jahren, also in einer alten Beziehung lebend, auch so erfahren habe. Mit einer so alten Oma kann ich nicht dienen, und Schmuck von ihr gibt es auch nicht wirklich. Und ein solch trauriges Erlebnis, wie der Tod der besten Freundin, blieb mir in puncto Freundin erspart ( sonst auch nicht ).
    Aber das ist ja das Spannende, dass die Leben so verschieden sind...
    Ach ja, das Kühlschranktür - Problem haben wir auch😀
    Ich werde nun wohl regelmäßiger lesen bei dir.
    Liebe Grüße
    Astrid

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    1. Ich freue mcih, dass ich dich locken konnte! Ihr seid dann aber wirklich schon lange zusammen! Hut ab! Bei uns werden es dieses Jahr dann zwanzig Jahre sein!

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  5. merci pour ces témoignages très intéressants. mes premières boucle-d'oreilles étaient aussi un simple rubis, et j'en ai perdu un... c'est bien d'avoir refait un exemplaire (même s'il n'est pas identique) !
    liebe grüsse

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    1. Merci Monique!
      Tu as raison, si on gardait juste un des deux, celle-ci risquerait de traîner pendant des années sans être portées. Parfois faut-il dépenser des sous... ;-)
      A bientôt, j'espère

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