14. März 2015

Samstagskaffee und Samstagsbuchempfehlung: Chrisoph Poschenrieder "Das Sandkorn"

Mein Samstagskaffee findet heute draußen statt. Auf der Terrasse ist es zwar sonnig, jedoch leider auch ziemlich kühl, deswegen muss ich mich ein bisschen wärmer anziehen.


Ich bin sehr zufrieden mit meiner Woche, denn ich habe alles geschafft, was ich mir vorgenommen habe! Dazu hat die Sonne fast jeden Tag vom Himmel gestrahlt und mein Mann hat mir gestern wieder schöne Blumen von der Arbeit mitgebracht - Der Süße!
Vor einiger Zeig habe ich hier an dieser Stelle Bücher vorgestellt, die mir gut gefallen haben. Diese Gewohnheit ist ein bisschen eingeschlafen, nicht zuletzt deshalb, weil ich lange nichts mehr in die Finger gekriegt habe, was sich zu empfehlen lohnte.
Mittlerweile haben sich jedoch so einige Werke angesammelt, die ich euch der Reihe nach ans Herz legen möchte.
Ein Autor, den ich letztes Jahr dank meiner Mum entdecken durfte, wird den Anfang machen:




Ein junger Mann (Jacob Tolmeyn) verstreut in Berlin im Jahre 1915 Sand. Dieses ungewöhnliche Vorgehen zieht bald eine Schar Schaulustige an und weil Massenansammlungen suspekt sind in Zeiten des Krieges, wird der Mann in Gewahrsam genommen und verhört.
Dem Kommissar erzählt er die Geschichte des Sandes, die er in Säckchen gefüllt und beschriftet aus Italien mitgebracht hat von einer Forschungsreise im Auftrag Kaiser Wilhelms, den Spuren Friedrich II, des Stauferkaisers, zu folgen.
Wie kommt es, dass ein junger Mann in Saft und Kraft nicht eingezogen wird, sondern in Rom an einem kunsthistorischen Institut forschen darf? Warum läuft er dem Kriege davon, in den die meisten anderen so freudig ziehen, um ihre Manneskraft zu beweisen? Warum darf er im schönen Apulien Burgen vor dem Verfall retten und deren Bestand mit seinem Schweizer Kollegen Beat dokumentieren?
Die Perspektive wechselt zwischem dem Erzähler Tolmeyn und dem gewitzten Kommissar Treptow, der sich sicher ist, dass hinter diesem sympathischen Mann mehr steckt, als ein exzentrischer Kunsthistoriker. - Und richtig: Tolmeyn hat tatsächlich eine Leiche im Keller, denn konfrontiert mit Gesetzen, die Homosexualität unter Strafe stellen, ist Jacob Tolmeyn dazu verdammt seine Neigungen zu verstecken und wurde Opfer einer Erpressung. Doch mehr wird nicht verraten!
Eine ungewöhnliche Geschichte ungewöhnlich gut erzählt und der Stil des Autors ist einfach zum Niederknien!

Eine kleine Kostprobe:

"....Die Dampftramvia von Barletta, ein schlotterndes Schächtelchen, liefert ihn über ansteigende Trasse und unter hektischem Hecheln am nächsten Tag kurz nach halb zwölf Uhr vormittags am Zielort Andria ab. Die entstiegenen Ortskundigen verschwinden blitzschnell vom Bahnsteig, so wie Wassertropfen von einem durchgeglühten Stein hüpfen. Zurück bleibt Tolmeyn, abwartend blinzelnd in der Sonne, um zu sehen, ob man ihm vielleicht ein Empfangskomitee geschickt hat. Aber nichts dergleichen.
Keine Standmusik, kein Blumenschmuck, kein Mädchen, das Gedichte aufsagt; Gott sei Dank. Aus dem Stationsgebäude tritt nach angemessener Wartezeit ein Herr von Statur und Bedeutung und verharrt im Schatten des Vordachs, bis Tolmeyn näher kommt.
"Habe ich es mit Doktor Tolmeyn zu tun, nach Andria entsandt, um die deutschen Kaiserinnen vor dem Zugriff der Italiener zu retten?", fragt der Herr.
"Oh", machte Tolmeyn, erstaunt über diese wenig elegant vorgetragene Ansprache: das konnte wohl heiter werden......"

Allerwärmstens empfehle ich euch dieses Werk beispielsweise zu eurem nächsten Samstagskaffee!



Ein prächtiges Wochenende wünsche ich und sende einen Gruß mit diesem Post zu Ninjassieben und ihrem Samstagskaffee!

Gros bisou
Sandra

Kommentare:

  1. Herzlichen Dank für diesen tollen Buchtipp! Langsam wächst der Bücherberg, den ich eigentlich lesen möchte...fragt sich bloß, wann...;-)? Dir noch ein schönes Wochenende! LG Lotta.

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  2. Ein gehaltvoller Morgenkaffee!
    LG
    Astrid

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  3. Du hast recht! Eines der besten Bücher! Meiner Meinung nach ein verdienter Preis. Dein Kaffee draußen gefällt mir auch.
    Liebe Grüße Andrea

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