21. Mai 2015

Workshop im Atelier Lilú Handbags - RUMS




Unsere belgische Tageszeitung "le Soir" kommt im Abonnement mit einem Wochenendmagazin "Victoire" und mittwochs mit einem Veranstaltungsheft "MAD".  Selbst wenn ich es nicht immer schaffe, die Tageszeitung zu lesen, freue ich mich jede Woche auf die beiden Magazine, denn mit ihrer Hilfe erfahre ich von Ausstellungen und Konzerten, belgischem Design, belgischer Mode und belgischer Architektur. Denn selbst wenn Belgien von der Welt weitgehend unbeachtet bleibt, gibt es doch eine sehr vielfältige und interessante künstlerische Landschaft zu entdecken.

Die belgische Mode hat mit den verschiedenen Designern ja bereits einen Namen, aber es gibt auch kleine Werkstätten, die mit viel Liebe und handwerklicher Sorgfalt durchaus Beachtenswertes produzieren.

Durch das Victoire-Heft vom Monat Februar bin ich zum Beispiel auf eine Taschendesignerin aufmerksam geworden. Victoire offeriert jeden Monat Plätze zur Teilnahme an einem Workshop bei einem belgischen Designer und für den Monat April war ein Atelier bei der kleinen Taschenmanufaktur Lilú ausgeschrieben. Bei diesen Ateliers bekommen die Teilnehmer die Gelegenheit, mit dem Designer ein kleines Werkstück zu fertigen und nebenbei Einblick in die Ausstattung und die Arbeitsweise einer kleinen Werkstatt.
Diese Gelegenheit konnte ich mir nicht entgehen lassen und da ich nicht genau wusste, wieviel Freiheiten wir bei der Fertigung der Tasche hatten und wieviel Zeit uns dafür zu Verfügung stand, habe ich mir vorher Gedanken gemacht, was für ein Modell ich herstellen wollte. Völlig unnötig, wie ich feststellen sollte, da wir nur drei Stunden Zeit hatten und von Emmanuelle Adam bereits alles vorbereitet war für die Herstellung eines kleinen clutchähnlichen Täschchens.

Aber der Reihe nach:
Ihr Geschäft liegt in der Rue Baillie, einer Querstraße der Avenue Louise, wo eine Reihe kleiner netter Geschäfte sind. Im Erdgeschoß eines, bis auf die knallpink gestrichenen Fensterumrandungen, unscheinbar grau-braunem Hauses ist das Geschäftchen, in dessen hinterem Teil und im Keller sich die Werkstatt befindet.

In this little shop on rue Baillie in Brussels is the workshop of Emmanuelle Adam and Veerle van Bever. They design and produce handbags since 2004 and in April they offered to the readers of the "Le Soir" weekend magazine "Victoire" a Sunday-morning-atelier in April.


Ich war die Erste, typisch deutsch, wie ich nicht vergaß zu erwähnen, auch um mein ungelenkes Französisch zu entschuldigen.Während wir auf die anderen Teilnehmer warteten kamen wir ins Gespräch und wechselten bald ins Englische. So erfuhr ich, dass sie erst spät zu diesem Geschäft und überhaupt zur Taschenherstellung gekommen ist - quasi wie die Jungfrau zum Kind. Sie wechselte vom Studienfach Jura, zur Wirtschaft und bekam durch ihren ersten Job bei einer Modedesignerin den Einstieg in diese Branche. Mit einer Freundin (Veerle van Bever) beschloss sie vor zehn Jahren dieses Taschenlabel zu gründen. Ihre Maschinen haben sie gebraucht in Italien gekauft und arbeiten nun gemeinsam mit einem kleinen Team, das alle Taschen in Brüssel in dieser kleinen Werkstatt herstellt. Dass sie dabei vernünftige Preise nicht höher als € 400 pro Tasche gewährleisten können, liegt ihnen sehr am Herzen. Lilú Handbags möchte nicht expandieren und die Produktion in der Stadt lassen, um den so wichtigen Kontakt zu den Kundinnen nicht zu verlieren.
Da keine der 4 anderen Teilnehmerinnen auftauchte, haben wir nach einer halben Stunde angeregten Quatschens dann mal angefangen zu arbeiten.
Zunächst sollte ich das Leder wählen. Das grün Glitzerne sollte es sein, denn es würde gut zu meinen Schuhen passen!

The participants were to make a little pouch themselves with the support of Emmanuelle who explained the important production steps.
We first chose the leather, I decided to take the green one, because it would match my old pair of Zara Shoes. 
We cut it on the table, using the cardboard patterns she prepared. You would need two body-pieces, two stripes of  3,5 cm x 24 cm and two of 1 cm x 32 cm.


Sie hatte Schnittmuster aus Pappe vorbereitet, zweimal den Taschenkörper, einen Streifen, von 3,5 cm Breite und 24 cm Länge, sowie für die kleine Schlaufe einen Streifen von 1 cm Breite und  ca. 32 cm Länge. Alle Teile wurden zweimal mut dem Cutter ausgeschnitten.
Danach ging es in den Keller, wo die kleinen Maschinen stehen und sie erklärte mir zunächst die Maschine mit deren Hilfe man die Lederdicke an der Innenseite reduzieren kann, damit die Nähte nicht so knubbelig werden. Man fräst einfach eine vorher einstellbare Dicke ab.
Auf dem Bild kann man die abgefrästen Kanten gut erkennen:

In the basement of the atelier houses a second workspace with some machines. In order to make the seam not too bulky, you would take of some of the thickness with a kind of rotary cutter. You can see me sitting at that machine on the picture below the one that illustrates the result.



Hier sitze ich an dieser Maschine:



Alsdann werden die Streifen durch eine Maschine gezogen, die dafür sorgt, dass sie exakt die Breite haben die vorgesehen ist. Dieses Gerät ist sehr gefährlich für die Fingerkuppen, denn man muss die Lederstreifen ganz nah an die rotierenden Messer schieben und im Verlauf diese auch führen. Dabei wird bei kurzer Unachtsamkeit der Finger mit in die Maschine gezogen. Emmanuelle zeigte mir ihre Fingerkuppen und mir war klar, dass ich diese Maschine nicht ausprobieren wollte.

The second machine I refused using after I saw Emmanuelles damaged fingertips, serves to cut the stripes we prepared, perfectly straight. But as I said, the handling is rather dangerous for untrained fingers.

This finished, we went upstairs again to glue the pieces. So, first we would prepare the zipper with a more decorating slider (a very tricky thing to do) and then we glued it to the body. The two bigger stripes are glued onto the zipper to hide it from the inside, as there is no further lining.
The two thin stripes for the strap are glued together as well. The last step before sewing is painting the edges in the colour of the leather. With my choice of leather not really necessary but as there are some that are not dyed through and through it is a crucial finishing touch to it.

Danach gingen wir wieder nach oben, klebten den Reißverschluss auf die Taschenteile und im Anschluss die breiteren Streifen auf die Innenseite des Reißverschlusses, denn die Tasche bleibt ungefüttert. Die Streifen für den Trageriemen werden ebenfalls aufeinander geklebt und zum Schluss alle sichtbaren Ränder mit grüner Farbe eingepinselt. Bei meinem Leder war das nicht unbedingt notwendig, aber es gibt Lederarten, die nicht durchgefärbt sind.






Das Zusammennähen der Tasche übernahm die Teamkollegin, denn die Nähmaschine zu bedienen ist anscheinend nicht mal eben so erklärt...! Wenn man das Monster so sieht, kann man es durchaus nachvollziehen.

The sewing was provided by a colleague of hers on the machine you can see below.



Das Privileg, mit Emmanuelle alleine arbeiten zu können habe ich sehr genossen, denn sie hat auf alle meine Fragen in aller Ausführlichkeit geantwortet und sie hat mir viel erklärt. Es war ein wirklich toller Vormittag!

It was an extraordinary experience and a privilege to have Emmanuelle just for me that morning as none of the other participants showed up. Whe chatted while working and I learned many interesting things about her business and her life as a handbag designer.
There was a second atelier in the afternoon with all 5 enrolled participants present.
The specialty of Lilú handbags is that you, as a client, have a great range of choice regarding the leather type or colour the handbag is made of. You decide which model of the actual collection you would like and discuss with Emmanuelle or Veerle the leather type that matches form and fabrication. And all that to a reasonable price, seen that it is customised and made by genuine belgian craftsmanship. Please have a look at her shop
Thank you Emmanuelle, I enjoyed it a lot and I learned a lot!






Ich werde meine neue Tasche jetzt bei RUMS verlinken und wünsche euch noch einen wunderbaren Donnerstag!

Gros bisou
Sandra

P.S.: This is not a sponsored post. For me it is important to show that Belgium is not only beer, fries, chocolate and Manneken Pis but also a country of creativity, art and craftsmanship!

Kommentare:

  1. oh wie wunderbar .. wirklich .. alles. Die Tasche ist ein Traum, aber auch Dein Outfit, dieser Rock, diese Farbkombi, so so schön. Liebe Grüße
    Silke

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  2. Eine ganz wunderbare Tasche...und ein grandioses Outfit! Zu selbstgewerkelten Dingen hat man eine ganz besondere Beziehung...LG Lotta.

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  3. Sie ist wunderschön geworden, liebe Sandra! Tolle Farbe, nicht nur weil sie zu den Schuhen paßt. Viel Spaß damit!

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  4. Das hört sich nach einem tollen Event an!
    Die Tasche ist super schön, das Leder ein Traum! Überhaupt finde ich dein ganzes Outfit total klasse!

    Liebste Grüße Karina

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  5. ...passen auch zum Pullover :) es grünt so grün... belle chanson et ta pochette verte est très jolie - merci pour toutes ces explications qui nous montrent toutes les difficultés d'un tel travail.

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