8. Dezember 2016

Das richtige Buch finden



Lesen ist so wichtig! Geschichten sind wichtig für unser Leben, für das Verständnis anderer Menschen, anderer Kulturen, anderer Zeiten. Heutzutage, wo Informationen immer kürzer werden und nur noch konzipiert sind möglichst viele Klicks zu generieren ohne Inhalt zu bieten, ist es in meinen Augen unerlässlich Bücher und Geschichten zu lesen. Empathie wecken zu lassen von Menschen die wir nicht kennen, aber die uns helfen ein Bild, welches wir vielleicht von einer Kultur oder einem Land haben zu vervollständigen. Es gibt so viele Perspektiven, Blickwinkel, Meinungen - und schnell ist man versucht Schubladen aufzumachen etwas hineinzustopfen und wieder zu schließen. Man ist versucht sich eine Meinung zu bilden von etwas wovon wir eigentlich nicht die leiseste Ahnung haben.

An dieser Stelle möchte ich euch einen Ted Talk vorstellen und wärmstens ans Herz legen. Er kommt von einer meiner Lieblingsautorinnen, der Nigerianerin Chimamanda Ngozi Adichie, bekannt geworden durch "Americanah".

The danger of a single story: (mit Untertitel wenn nötig, wenn ihr auf den entsrpechenden Button klickt)

The danger of a single story


Ich lese und höre Geschichten wahnsinnig gerne! Als ich jung war (Öhöm) habe ich mich durch die Klassiker gewühlt, Hesse, Mann, Austen, Bronte, Zola, Daudet, Sand, de Musset, Balzac, Döblin, Feuchtwanger, Werfel - ach verschlungen habe ich sie!
Später dann haben wir - mein Mann und ich - Leon de Winter entdeckt, Bernhard Schlink, Uwe Timm und Martin Suter. Eine Zeitlang mochte ich die Bücher von Maarten t'Hart sehr.
Zu den kürzlich hinzugekommenen deutschen Autoren zählen Christoph Poschenrieder, Mechthild Borrmann und Klaus Modick.

In der letzten Zeit, wo in der westlichen, aufgeklärten Welt wieder so viele rechte Stimmen laut werden und schockierender Weise auf empfänglichen Boden fallen, wo Männer gewählt werden, die so eitel und dabei so kindisch sind, das man sich nur noch an den Kopf greift, wo das "Postfaktische" als Berichterstattung die Regel geworden ist und häufig eine ebensolche Politik betrieben wird, will ich Geschichten haben aus Regionen, die häufig diffamiert werden: Aus Afrika, aus der muslimischen Welt aus Südamerika! Ich will wissen wie es ist, dort zu leben. Welche geschichtlichen Ereignisse die Menschen als Narben oder Offenbarung  mit sich herumtragen, welche Erfahrungen machen sie im Laufe ihres Lebens und wie ist ihr Blick auf den "Westen" - und warum?

Bei der Suche war mir ein Podcast sehr hilfreich, den ich hier gerne empfehle: BBC World Service, World Book Club. Bei dieser Sendung handelt es sich um die Aufzeichnung einer Art Konfrerenz in der der Autor anwesend ist, Textstellen vorliest und Fragen zu seinem Buch, die vom Auditorium gestellt werden beantwortet. Das ist ein bisschen komisch, wenn man das Buch noch nicht gelesen hat, aber allein durch die Art, wie die Menschen sich zu der Geschichte äußern, welche Gedanken dem Text zugrunde liegen und nicht zuletzt, wie der Autor "rüberkommt" haben mich neugierig gemacht und in diesem Herbst schon viermal einen hervorragenden Griff tun lassen!
Wenn ich in den Buchhandel gehe und unter der Flut von Büchern diejenigen herausfische, deren Titel oder Cover mich anspricht, bin ich meist vom Klappentext abgeschreckt. Die plakativen  Zitate aus Buchbesprechungen, wie "...ein Meisterwerk", oder gar "das Buch des Jahres", "ein faszinierender literarischer Einfall", sind wenig hilfreich. Also muss ich mich hinsetzen und die ersten Seiten lesen, um zu schauen, ob Geschichte in der Lage ist mich einzusaugen.
Wenn ich hingegen die Begeisterung der Menschen spüren kann, die das Buch gelesen haben, dann springt der Funke auf mich über.  Oftmals melden sich Leser zu Wort, die ähnliches erlebt haben und bestätigen, dass sich die Fiktion des Autors mit ihren Erfahrungen uns Erinnerungen deckt.
Großbritannien hat durch seine Kolonialgeschichte zudem einen weitreichenden Zugang zur Literatur der Welt, und die Werke die auf Englisch erhältlich sind viel zahlreicher als die auf Deutsch übersetzten Autoren anderer Kontinente. Deswegen ist dieser Podcast eine unendliche Fundgrube für mich, interessante Werke aus mir unbekannten Gegenden aufzuspüren. (Oftmals habe ich jedoch, wenn ich einen faszinierenden Titel bei Amazon in die Suchfunktion eingegeben habe festgestellt, dass es sogar eine deutsche Übersetzung gibt! Sehr erfreulich!)
Von deutschen Radiosendern gibt es ebenfalls hervorragende Sendungen und Podcasts die sich Buchbesprechungen widmen. Allen voran der Büchermarkt des Deutschlandfunks.

Die Entdeckungen dieses Herbstes waren:

Kamila Shamsie: Verglühte Schatten

Tan Twan Eng: Der Garten der Abendnebel

Chimamanda Ngozi Adichie: Die Hälfte der Sonne

Juan Gabries Vasquez: Das Geräusch der Dinge beim Fallen

 
Zum Abschluss noch ein Zitat von Juan Gabriel Vasquez, welches die Wichtigkeit von Geschichten, Romanen oder allgemein Fiktion unterstreicht:

<<As human beings we are constantly competing with authorities for the control of our live's story. The States - all those words you write in capital letters - the Gouvernment, Religion, they are all great narrators and they strive to control their own version of our past. Fiction is to me [Juan Gabriel Vasquez], where we as citizens raise our hands and say, "I don't remember it happening that way!", or "I think it might have happened in another way.">>

In diesem Sinne:
Bleibt neugierig!

Gros bisou
Sandra

Kommentare:

  1. Liebe Sandra,

    ich lese auch sehr gerne. Wichtig für mich ist vor allem wie das Buch mich
    einfängt und berührt. Sei es durch die Sprache oder die Geschichte.
    An der Stelle kann ich mal Kafka zitieren:
    Ein Buch muss die Axt sein für das gefrohrene Meer in dir.

    Liebe Grüße aus Berlin
    Doreen

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    1. Genau so ist es! Eine sehr schöne Metapher! Das gefrorene Meer kann so vieles sein: vergessene Erinnerungen, unentdeckte Gefühle, verhärtete Vorurteile! Sehr, sehr gut! Danke, das ist eine echte Bereicherung liebe Doreen!
      Gros bisou
      Sandra

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  2. Danke für die Buchtipps. Da werde ich sicher das eine oder andere daraus lesen. Hatte durch deinen Blog Mechthild Borrmann entdeckt - und fand die Bücher sehr spannend und unterhaltsam.

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    1. Weisst du was? Das freut mich total! Wenn sie dir gefallen hat, hast du bestimmt auch "Altes Land" gelesen, oder? Viel Spaß auf jeden Fall und dass du Zeit findest zum Lesen!
      Gros bisou
      Sandra

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  3. Danke für die vielen guten Empfehlungen!
    Schönen dritten Advent und lieben Gruß,
    Kebo

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  4. Liebe Sandra, ich habe mich sehr über Deinen Besuch bei mir gefreut und über Deinen Kommentar noch mehr :-)
    Nun habe ich zurück geklickt und mir dieses wunderbare Video angesehen. Was für eine tolle Frau, was für eine
    Story! Keine single story!
    DANKE & liebe Grüße, Bine

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