13. Januar 2017

Shanghai 2. Teil

Es gibt zwei Lager: Die Einen die Shanghai lieben und Peking nicht, und diejenigen bei denen es umgekehrt ist. Diesen Eindruck hatte ich, wenn ich mich mit Leuten vor unserer Reise über China unterhalten habe. Leider kann ich nicht mitreden, denn bis jetzt habe ich nur Shanghai gesehen - und sehr gemocht! Sicher: in den dreieinhalb Tagen konnten wir die riesige Stadt wirklich nur oberflächlich erkunden, aber der Eindruck war doch so, dass ich wiederkommen möchte, um noch mehr zu sehen!

Die Geschichte Shanghais ist geprägt, ich erwähnte es schon, durch den Opiumkrieg 1840 - 1842. Eine sehr einseitige Handelsbilanz zugunsten Chinas ist die Ausgangssituation, denn die Chinesen hatten vieles was die Engländer gerne wollten - nämlich Tee, Seide und Porzellan - doch die Engländer hatten nichts, was die Chinesen gebrauchen konnten, . Die Waren konnten also nicht ausgetauscht werden, also Tee gegen etwas aus England, sondern mussten wie im Geschäft bezahlt werden. 
In Indien produzierten die Engländer jedoch Opium, und so kamen sie auf die glorreiche Idee, die Chinesen doch abhängig zu machen vom berauschenden Genuss des Opiums, um so dieses überteuert auf dem chinesischen Markt verkaufen zu können. Nach Aufhebung des Monopols der ostindischen Gesellschaft gingen auch andere Länder dazu über mit Opium zu handeln und der chinesische Markt wurde überschwemmt. Innerhalb kürzester Zeit hatte sich die Handelsbilanz umgekehrt  - und England war der größte Drogenhändler der damaligen Welt. 
So konnte es aus Sicht der Chinesen nicht weitergehen. Kampagnen, Verbote und Verhaftungen zur Eindämmung des Opiumkonsums waren nur von mäßigem Erfolg und schließlich wurde sogar ein totales Einfuhrverbot erlassen und 1400 Tonnen Opium im Meer versenkt.
Die Kaufleute drängten die Englische Regierung und diese entsandte einen Flottenverband, die mit Leichtigkeit den chinesischen Widerstand brachen.
Im Friedensvertrag von Nangking erzwang England die Öffnung verschiedener Häfen für den Handel, unter anderen auch Shanghai. Fortan genossen ausländische Kaufleute und Missionare dort strafrechtliche Freizügigkeit und Immunität.
Nach den Engländern kamen die Franzosen (1847) und richteten ihre ausländische Konzession ein und 1863 schließlich die Amerikaner. 
Shanghai entwickelte sich zu einer bedeutenden Handelsstadt, die jedoch von einer kriminellen, mafiösen Gruppe aus mittellosen Seemännern kontrolliert wurde. Dies und die große Zahl an Menschen, die vor dem Taiping Aufstand in den Schutz der ausländischen Konzessionen flüchteten führten dazu, dass in Shanghai ein Sumpf aus Opiumhöhlen, Bordellen und Spielhöllen entstand.
Die Stadt wuchs und ihre Einwohnerzahl erreichte Anfang des 20. Jahrhunderts die Millionengrenze.
1921 wurde hier die Kommunistische Partei gegründet. Nach der Besetzung durch die Japaner kam die Kulturrevolution und China isolierte sich wieder. Die ausländischen Firmen wanderten in das britische Protektorat Hongkong ab und die Bedeutung Shanghais sank.
In den 80er Jahren des letzten Jahrhunderts beschloss die Zentralregierung Shanghai zur Vorzeigestadt für den wirtschaftlichen Aufschwung und Modernisierung Chinas zu machen. Das Ergebnis dieser Bemühungen ist deutlich zu erkennen.
Leider fielen der Bau- und Modernisierungswut alte, erhaltungswürdige Stadtviertel zum Opfer. Jedoch hat hier in den letzten Jahren ein Umdenken eingesetzt. Mehr und mehr werden sich die Stadtplaner bewusst, dass zu einer Stadt und zu ihrer Liebenswürdigkeit auch ein gewisses Flair gehört, dass von natürlich gewachsenen Stadtvierteln ausgeht. Das Museum zur Stadtentwicklung gibt darüber Aufschluss.





Die Französische Konzession:

Dieser Teil der Stadt rund um die Nanchang Rd. lädt wirklich zum Flanieren ein: nette Geschäfte, Bäckereien, Restaurants sowie die mit Platanen gesäumten Straßenzüge erzeugen ein europäisches Flair.





YuYuan Garten und der Stadtgott-Tempel:

Als letztes zeige ich euch noch die Fotos aus dem wunderschönen YuYuan Garten (3), einer Tempelanlage mit Garten aus dem 16. Jahrhundert. Es war leider unfassbar voll, denn am Wochenende zum 1. Mai haben auch die Chinesen ein langes Wochenende und besichtigen die Sehenswürdigkeiten ihrer Kultur.

Fast jede chinesische Stadt hat einen Stadtgott. Es handelt sich dabei oft um Würdenträger die sich auf die eine oder andere Art um die Stadt verdient gemacht haben. Der Stadtgott verändert sich also - es ist nicht immer derselbe, wie bei unseren Schutzpatronen. 




An den Tempel schließt sich ein kleines Altstadt-Viertel an mit in historischen oder historisierenden Gebäuden untergebrachten Geschäften. Dort befindet sich auch der Eingang zum Garten.
Man muss eine im Zick-Zack verlaufende Brücke über einen Goldfischteich überwinden in dessen Mitte ein Teehaus von 1850 steht. Irgendwo hab' ich gelesen, dass Dämonen nur geradeaus gehen können, deshalb die Zick-Zack-Brücke, um sie daran zu hindern in den Garten zu gelangen.





Es hätte wirklich ein idyllischer Hort der Ruhe sein können - wenn nicht so viele Menschen dort gewesen wären. Ich weiß gar nicht, wie wir das hingekriegt haben, trotzdem Fotos zu machen, ohne Menschen...!

An unserem letzten Tag sind wir noch auf das Panoramadeck des Flaschenöffner-Hochhauses gefahren um uns die Stadt von oben anzuschauen und mit diesem Bild möchte ich mich von euch und von Shanghai verabschieden.



Ich hoffe, euch hat mein Stadtrundgang gefallen und hat euch Lust gemacht, diese lohnenswerte Stadt auch mal zu besuchen. Vielen Dank für eure Geduld und ein wunderschönes Wochenende!

Gros bisou
Sandra

Kommentare:

  1. Guten morgen Sandra
    Danke, für deinen lieben Komment auf meinem Blog!
    Ohjeee, ich bin immer so *neidisch* auf Menschen die Reisen können!
    Ich hätte (würde) das auch gerne tun....
    Eine tolle Einsicht in das Straßenleben von Shanghai zeigts du!
    Ich mag solche Bilder, fernab der Tourishochburgen!
    Ich wünsche dir ein schönes Wochenende,
    liebe Grüße zu dir schicke,
    Britta

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  2. Danke für das Mitnehmen an so einen spannenden Ort. Der geschichtliche Hintergrund, den Du so spannend dargestellt hast, zeigt wieder auf, was für fürchterlichen Schaden Europa in den Kolonialzeiten angerichtet hat (aber ohne aus den Fehlern zu lernen, seufz).
    Liebe Grüße
    Andrea

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  3. Shanghai würde ich auch gerne mal besuchen.
    Deine Bilder haben es nicht besser gemacht.
    Liebe Grüße
    Andrea

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  4. Das mit dem Opium-Krieg habe ich gar nicht gewußt. Durch dich habe ich jetzt eine Menge mehr erfahren. Liebe Sandra, vielen Dank für deinen umfassenden Bericht. Das war richtig interessant. Ich mußte ihn gleich mehrmals lesen, weil doch eine Menge darin gesteckt hat. Ich wünsche dir ein shönes Wochenende. Ganz liebe Grüße

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  5. Ein spannender Bericht! Reisen erweitern den Horizont...wie man bei dir mal wieder sieht...LG Lotta.

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