8. April 2017

Samstagsplausch über meine Woche und was ihr über das Internet wissen solltet!



Man könnte diese Woche als <flat-tire-week> bezeichnen!
Pünktlich zum Frühlingsbeginn und zum Ausbruch einer ausdauernden Schön-Wetter-Phase, empfing mich mein 1967er Gazelle-Rad mit einem Platten! Natürlich am Hinterrad - wie sollte es auch anders sein?

Da ich zur Kategorie "Selbst ist die Frau" gehöre habe ich mir kurzerhand ein youtube-Video herausgesucht in dem ein netter junger Mann beschreibt, wie man das Hinterrad eines Gazelle-Rades ausbaut, ein weiteres darüber, wie man den Schlauch entfernt und den neuen einsetzt und ein drittes darüber, wie man das Hinterrad wieder einbaut.

Wie ihr sicherlich schon ahnen könnt, war der Ausbau schnell gemacht der Einbau jedoch von Verwünschungen, Flüchen und Tränen der Resignation begleitet!
Montagmorgen habe ich das Rad schnell ausgebaut, dabei aber gemerkt, dass ein Rad, das 50 Jahre auf dem Rahmen hat, ein ganz klein bisschen anders ausschaut, als Eines jüngeren Datums. Ich beschloss also, das Hinterrad unbedingt am selben Tag wieder einzubauen, um nicht zwischenzeitlich zu vergessen, wo die ganzen Einzelteile hinkommen, die in dem Video des jungen Mannes irgendwie keine Rolle spielen.



Mit meiner Freundin fuhr ich zum Fahrradladen um festzustellen, dass er montags geschlossen hat! Klar ja war! Wir haben zum Glück noch einen Zweiten auf dem Weg unserer langen Besorgungsliste gefunden, der auch meine Schlauchsorte vorrätig hatte. Puh!
Das Einsetzen des Schlauches bzw. den Mantel davon zu überzeugen, dass er in die Felge zurück soll, war eine ziemliche Fummelei, aber richtig komplizwickt war das saubere Verschließen des Kettenschutzes. Diese optisch sehr ansprechende Besonderheit eines Hollandrades ist einfach zu öffnen, aber leider schwierig wieder festzuzurren. Besonders geärgert hat mich eine kleine u-formige Metallspange, die man in zwei Täschchen der Kettenumhüllung hineinpfriemeln muss. Das wichtigste Teil für eine schleiffreie Nutzung und das am schlechtesten Ausgeklügelte des ganzen Fahrrades. Zum Glück kam mein Mann in dem Moment nach Hause als sich meine Transformation zum alles zerstörenden Godzilla ankündigte und half mir mit seinen ihm zur Verfügung stehenden Händen. Tja, nu fährt es wieder!

Gestern habe ich dann geschafft einen Platten in unser Auto zu fahren. Fragt mich nicht: Eine Sekunde lang unaufmerksam gewesen, Bürgersteigkante erwischt, zack! PFFFFFFFT.
Wieder musste ich auf die Hilfe meines Liebsten warten, damit wir gemeinsam den geschrotteten Reifen gegen einen Sommerreifen austauschen konnten. Heute musste ich dann die restlichen drei auch noch wechseln lassen. Zum Glück sind in der nächsten Saison eh neue Winterreifen fällig, da war es finanziell wenigstens kein Desaster.

Zwischendurch habe ich noch die Unterlagen vorbereitet die wir für unser Visum für unsere Fahrt nach Russland brauchen, habe Osterkarten gebastelt (nächsten Dienstag zeige ich sie euch) und leckere Kekse gebacken. Töchterchen ist zu den Semesterferien nach Hause gekommen und am Wochenende fahren wir die Schwiegereltern besuchen! 

Nun zum Internet:

Mehrfach bin ich in der letzten Zeit über eine Aussage gestolpert, die ich erst nicht glauben konnte:
Preisdiskriminierung im Internet!
Je nach dem wer nach einem Flug, Airbnb-Apartment, oder sonst irgendwas sucht, bekommt einen unterschiedlichen Preis angezeigt. Es geht dabei nicht darum, dass sich die einzelnen Anbieter versuchen zu unterbieten, sondern darum den Nutzern denjenigen Preis anzubieten, den dieser spezifische Nutzer noch so gerade zu bezahlen bereit ist. 
Wie David Runciman es in der Episode "Power in the Digital Age" seines Podcasts "Talking Politics" es ausdrückt:

 "...if you want to pay for stuff cheaply online, you can't look for cheap prices, you have to pretend to be poor.  The poorer you can persuade the machines that you are, the cheeper it will be..." Link zum Podcast

Folgende Artikel scheinen diese Aussage zu bestätigen:


Ein Mac User bekommt demnach einen teureren Preis angezeigt als jemand mit einem normalen PC. Jemand, dessen IP Adresse am Starnberger See liegt ebenfalls, sowie diejenigen, deren Internetrecherche einen gewissen Wohlstand antizipieren lässt.
Abgesehen von dieser an sich schon schockierenden Tatsache, stellt sich wieder mal die Frage, was mit unseren persönlichen Daten geschieht, die wir täglich bewusst oder unbewusst ins Netz hinausposaunen. 
Das was viele Apps so praktisch und praktikabel macht, basiert allerdings auf diesen persönlichen Details, die wir teilen. Aus unseren Netzgewohnheiten werden nicht nur personalisierte Werbeanzeigen generiert, sondern sie fließen auch in die Software-Entwicklung ein und helfen, Anwendungen, Programme und Apps reibungsloser und nutzerfreundlicher funktionieren zu lassen.
Wenn jeder Nutzer peinlich genau darauf achtete, keine Fußabdrücke zu hinterlassen, könnte diese positive Entwicklung nicht erfolgen. Eine Gradwanderung also.
Man muss sich jedoch immer im Klaren darüber sein, dass das meiste, was im Netz vorgeblich umsonst zu haben ist, dennoch Profitziele verfolgt. Sei es durch die geschickte Platzierung von Werbung oder durch den Verkauf der von Nutzern zur Verfügung gestellten Daten.
Außerdem werden viele Nutzer über sogenante "Dark Patterns" in der Nutzeroberfläche bewusst dazu gebracht unbewusste Kaufentscheidungen zu treffen, oder  Mitgliedschaften wie Newsletter zu abonnieren,
"Grey Patterns" schließlich sind solche, die dafür sorgen, dass es dem Nutzer schwer gemacht wird, die für ihn optimale Lösung zu wählen. Ein gutes Beispiel für Windows User war diese unendlich lästige Aufforderung Windows ich-weiß-nicht-wieviel zu installieren. Oder man kriegt es einfach nicht hin, sich von einem Newsletter abzumelden. Bei Updates von Programmen erscheint der Bestätigungsbutton für das gefragte und noch ein anderes, ungewolltes Update viel größer und sichtbarer, als derjenige, für das einzelne Update.

Das alles hat System: dafür zu sorgen, dass Geld in die Taschen der Programmierer und Webseitenbetreiber fließt! Selbst, wenn man sich als Nutzer vermeintlich dem vollkommenen Wettbewerb gegenüber sieht - es ist nicht so!

Ich werde zum Flügebuchen jetzt zum Test mal in der Stadtbücherei den öffentlichen Computer benutzen! Nur so zum Vergleich....!

Wem ich das Wochenende jetzt noch nicht restlos verdorben habe und noch näheres wissen möchte kann ich die Episode "Global Community" aus dem Podcast "Let's Know Things" empfehlen, sowie die Webseite "Dark Patterns", und den nun schon mehrfach aufgetauchte Artikel "Ich habe nur gezeigt, dass es die Bombe gibt" aus "das Magazin" u.a. zum Thema Nutzung von Facebook-Verhalten zu Wählerbeeinflussung.

Trotzdem ein schönes Wochenende
Gros bisou 
Sandra

Verllinkt mit Samstagsplausch



Kommentare:

  1. Hallo liebe Sandra,
    ach herrje..., ob ich einen Platten beheben könnte? Vermutlich nicht. Und so viel Einsatz wie Du hätte ich gewiß nicht an den Tag gelegt, wäre direkt zum nächsten Fahrradladen gefahren. Und was den Platten am Auto angeht: sei froh, daß es nicht während der Fahrt passiert ist.

    Big Data ist mir schon seit jeher ein Riesendorn unter den Nägeln. Vieles versuche ich zu vermeiden, oder zu umgehen - aber nicht immer gelingt das. Früher war ich noch so sorglos, um an einer psychologischen Umfrage im Netz teilzunehmen - heute würde ich das und auch anderes auf gar keinen Fall mehr tun! Danke für die interessanten Links! Manches davon kannte ich noch nicht. Liebe Grüße

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  2. Das mit dem Internet und Reisen buchen, etc, habe ich schon vor einiger Zeit im Fernsehen gesehen. Interessant! Und gefährlich. Vielleicht sollte ich mich in ein Internetcafe setzen beim Suchen und buchen.
    Eine Gazelle wieder auf Vordermann zu bringen, da kann ich nur den Hut ziehen!
    Ich hoffe ihr habt nicht noch einen Platten.
    Liebe Grüße
    Andrea
    (du hattest leider deinen Link falsch eingegeben, weshalb vielleicht einige Besucher ausgeblieben sind. Ich habe es gerichtet...)

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  3. Jetzt habe ich noch einige Male hier vorbeigeschaut, weil ich die vielen anderen Kommentare und Meinungen zu diesem Post lesen wollte. Ich staune. Entweder haben die Menschen resigniert, oder sie gehörenen zu denen, die immer noch meinen, man hätte ja nichts zu verbergen, oder...oder... Liebe Grüße.

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